Reisefamilien treffen: Warum Gleichgesinnte noch lange keine Gemeinschaft sind
Und warum echte Gemeinschaft für uns heute zuerst in der eigenen Familie beginnt.
Als wir angefangen haben, von einem freieren Familienleben zu träumen, war Gemeinschaft ein riesiger Teil dieser Vision. Andere Familien, die ähnlich denken wie wir. Kinder, die gemeinsam frei aufwachsen. Menschen, mit denen wir essen, lachen, arbeiten, reden und einfach Leben teilen. Unser Tribe eben.
Ich glaube, genau danach sehnen sich verdammt viele Familien, die heute überlegen, Deutschland den Rücken zu kehren und mit ihren Kindern zu reisen. Die wenigsten träumen davon, jahrelang vollkommen alleine von Stellplatz zu Stellplatz zu fahren. Wir wollen andere Reisefamilien treffen. Unsere Kinder sollen andere Kinder kennenlernen. Wir wollen Menschen um uns haben, bei denen wir nicht ständig erklären müssen, warum unsere Kinder nicht zur Schule gehen oder warum wir unser Leben anders gestalten wollen. Genau diesen Traum hatten wir auch.
Eigentlich wollten wir nie komplett auf Dauerreise gehen
2022 habe ich mich mit unseren größeren Kindern aus Deutschland abgemeldet. Unser ursprüngliches Ziel war damals gar nicht, sofort dauerhaft durch die Welt zu reisen. Marco wollte immer Orte haben, die sich nach Zuhause anfühlen. Wir wollten zunächst für einige Monate auf unsere Olivenfarm nach Spanien. Dort wollten wir etwas aufbauen, eine Base schaffen und vor allem unseren großen Traum von Gemeinschaft Wirklichkeit werden lassen.
Das Foto ganz oben über diesem Beitrag im Banner ist übrigens in genau der Woche entstanden, in der wir gemeinsam mit befreundeten Familien die Fincas angeschaut haben. Damals war da vor allem diese riesige Vision: ein Ort für Gemeinschaft, unsere Kinder, Freiheit und ein anderes Leben. Wie viel wir über Gemeinschaft erst noch lernen würden, wusste ich zu diesem Zeitpunkt definitiv noch nicht. 😂
Und dann sind wir ziemlich planlos hineingeschlittert
Wir hatten damals ein Paar ohne Kinder gefunden, das als erste Gemeinschaftsmitglieder auf unserer Olivenfarm leben wollte. Weil sie kein eigenes Auto hatten, fuhren wir sie nach Spanien. Sie lebten zunächst in unserem Haupthaus und sogar unsere Hunde ließen wir schon dort. Mein Plan war, ungefähr drei Wochen später gemeinsam mit einer Freundin wieder nachzukommen.
So weit zumindest der Plan. 😅 Nach ungefähr einer Woche kam der Anruf: In der Familie gab es einen medizinischen Notfall und sie mussten sofort zurück nach Deutschland. Also musste ich wesentlich früher wieder runterfahren. Und weil unser Start offenbar noch nicht chaotisch genug war, hatte ich direkt noch eine andere Familie im Schlepptau, die mit auf unsere Olivenfarm kam. 😂 Eine frisch alleinbegleitende Mama mit ihren beiden Kindern.
Und damit waren wir plötzlich mittendrin. Gemeinschaft. Kinder. Familien. Alltag. Immer wieder kamen Reisefamilien vorbei. Menschen blieben eine Zeit lang. Wir lebten zusammen, verbrachten Zeit miteinander und versuchten herauszufinden, wie diese große Vision von Gemeinschaft eigentlich in der Realität aussehen könnte.
Andere Reisefamilien treffen heißt noch lange nicht, dass man zusammenpasst
Ich glaube, genau da lag eine unserer romantischsten Vorstellungen. Wir dachten: Da draußen gibt es Menschen, die ebenfalls reisen wollen, ihre Kinder frei begleiten, Gemeinschaft leben und sich ein anderes Leben aufbauen möchten. Wir müssen sie eigentlich nur finden. Und dann wird das schon geil.
Tja. 😂
Was wir dabei unterschätzt hatten: Freilernen verbindet Menschen nicht automatisch tief miteinander. Reisen auch nicht. Und selbst eine gemeinsame Vorstellung von Freiheit bedeutet noch lange nicht, dass Menschen im Alltag dieselben Bedürfnisse, Grenzen und Vorstellungen haben. Sobald man wirklich enger miteinander lebt, geht es plötzlich um ganz andere Dinge: um Rückzug und Nähe, Ordnung, Verantwortung, Kinder, Arbeit, Geld, Kommunikation, Grenzen, Erwartungen, Aufgaben, Bedürfnisse und darum, wie wir reagieren, wenn jemand etwas vollkommen anders sieht als wir selbst.
Und irgendwann kommen ziemlich zuverlässig auch die eigenen Themen mit an den Tisch.
Zuhause spiegeln dich vielleicht schon dein Partner und deine Kinder. In Gemeinschaft bekommst du plötzlich noch ein paar zusätzliche Spiegel gratis dazu. Danke an die Arschengel! 😂
Wir hatten vorher sogar fast ein Jahr miteinander gesprochen
Das Verrückte ist: Mit den Menschen, mit denen wir später wirklich eine feste Gemeinschaft gründen wollten, hatten wir uns nicht einfach spontan zusammengetan. Wir hatten uns vorher über einen langen Zeitraum, ich glaube fast ein Jahr, regelmäßig über Zoom getroffen. Wir haben über unglaublich viele Dinge gesprochen: über unsere Vorstellungen, unser zukünftiges Zusammenleben und darüber, wie Gemeinschaft aussehen könnte.
Und trotzdem ist es etwas vollkommen anderes, wenn man anschließend wirklich miteinander lebt. Wenn Menschen nicht nach einem zweistündigen Zoom wieder in ihren eigenen Alltag zurückgehen, sondern am nächsten Morgen wieder voreinander stehen. Und am nächsten. Und am nächsten. 😅
Unsere damalige Vorstellung von fester Gemeinschaft ist letztendlich an vielen Konflikten und unterschiedlichen Dynamiken gescheitert. Das war nicht immer schön, aber rückblickend war es für uns eine unglaublich wichtige Erfahrung.
Das freie Leben nimmt unsere Themen nämlich mit
Und genau deshalb hat diese Geschichte für mich heute so viel mit dem Leben als Reisefamilie zu tun. Ihr müsst nämlich gar nicht mit mehreren Familien auf eine Finca ziehen, um plötzlich sehr viel mehr miteinander konfrontiert zu sein. Schon wenn ihr als Familie auf Dauerreise geht, verändert sich euer Alltag oft komplett.
Vorher gibt es vielleicht Arbeitszeiten, Schule oder Betreuung, Termine, Vereine, getrennte Tagesabläufe und viele Stunden, in denen jeder seinen eigenen Bereich hat. Und plötzlich seid ihr sehr viel zusammen. Ihr fahrt zusammen. Ihr esst zusammen. Ihr organisiert euren Alltag zusammen. Vielleicht arbeitet ihr unterwegs. Eure Kinder lernen frei. Ihr lebt auf wesentlich kleinerem Raum. Entscheidungen werden gemeinsam getroffen und gleichzeitig soll da auch noch dieses wunderschöne freie Leben stattfinden, von dem ihr so lange geträumt habt.
Heute leben wir Gemeinschaft anders
Unsere Erfahrungen haben nicht dazu geführt, dass wir keinen Bock mehr auf Gemeinschaft haben. Ganz im Gegenteil. Gemeinschaft ist für uns noch immer ein wichtiger Teil unseres Lebens, aber unsere Vorstellung davon hat sich verändert.
Heute müssen Menschen nicht mehr kommen und gefühlt direkt ihre Jurte aufstellen, damit wir sagen können: Jetzt leben wir Gemeinschaft. 😅 Wir leben viel flexibler und temporärer. Menschen kommen auf die Finca, wir verbringen Zeit miteinander, Reisefamilien begegnen sich und wir schauen über einen längeren Zeitraum, wie es für alle Beteiligten passt. Ohne sofort aus einer schönen Begegnung eine Entscheidung fürs ganze Leben machen zu müssen. Und ich empfinde genau das inzwischen als viel freier.
Und irgendwann habe ich verstanden: Gemeinschaft beginnt viel früher
Wir Reisefamilien suchen gerne nach unserem Tribe. Nach anderen Freilernerfamilien. Nach Stellplätzen, an denen andere Kinder sind. Nach Communities. Nach Orten, an denen Menschen ähnlich denken wie wir. Das verstehe ich total. Ich wünsche mir das selbst.
Aber irgendwann habe ich verstanden, dass wir gar nicht erst auf eine Finca mit zehn anderen Menschen ziehen müssen, um Gemeinschaft zu lernen.
Unser erstes Übungsfeld sitzt jeden Morgen mit uns am Frühstückstisch. 😂 Unsere eigene Familie.
Kann ich überhaupt wahrnehmen, was ich brauche? Kann ich es aussprechen? Kann ich zuhören, wenn mein Partner etwas vollkommen anderes braucht? Welche Bedürfnisse haben unsere Kinder? Wie gehen wir damit um, wenn einer weiterreisen möchte und ein anderer gerade irgendwo bleiben will? Wie viel Nähe brauchen wir? Wie viel Rückzug? Wie verteilen wir Verantwortung? Wie sprechen wir miteinander, wenn es gerade richtig knallt? Und wie finden wir Lösungen, bei denen nicht immer einer seine Bedürfnisse komplett übergeht?
Bevor ihr losfahrt, redet darüber, wie ihr eigentlich leben wollt
Wenn ich Familien heute etwas vor ihrer ersten längeren Reise mitgeben könnte, dann wäre es genau das. Beschäftigt euch nicht ausschließlich mit Route, Wohnmobil, Abmeldung und Stellplätzen. Setzt euch auch miteinander hin. Denn wenn vier, fünf oder sechs Menschen sagen: „Wir wollen frei leben“, können damit vier, fünf oder sechs ziemlich unterschiedliche Vorstellungen gemeint sein. 😂
Redet zum Beispiel darüber:
- Was braucht jeder Einzelne von euch, damit es ihm unterwegs gut geht?
- Wie stellt sich jeder von euch euer neues Leben überhaupt vor?
- Wie viel Gemeinschaft und wie viel Rückzug braucht ihr?
- Was brauchen eure Kinder unterwegs?
- Wie soll Arbeit in euren Reisealltag passen?
- Wie trefft ihr Entscheidungen, wenn eure Bedürfnisse auseinandergehen?
- Wie möchtet ihr miteinander umgehen, wenn Konflikte entstehen?
Ihr werdet damit nicht jede Situation vorhersehen können. Das konnten wir auch nicht. Aber ihr startet mit einem ganz anderen Bewusstsein dafür, dass ihr nicht einfach nur euren Wohnort verändert. Ihr baut euch als Familie einen vollkommen neuen Alltag.
Genau daraus ist „Euer neues Leben auf Reisen“ entstanden
Dieser Kurs ist nicht entstanden, weil wir von Anfang an alles richtig gemacht haben. Eher im Gegenteil. 😂 Wir sind in vieles ziemlich planlos hineingestolpert und haben unterwegs gemerkt, über welche Dinge wir uns vorher viel mehr Gedanken hätten machen können.
Genau dieses Wissen möchten wir heute an Familien weitergeben, die selbst kurz davorstehen, ihr gewohntes Leben hinter sich zu lassen und auf Reisen zu gehen. Im Minikurs „Euer neues Leben auf Reisen“ geht es deshalb nicht nur um die praktische Organisation eurer Reise. Es geht auch darum, euch als Familie bewusst mit eurem zukünftigen Alltag auseinanderzusetzen und euch auf ein Leben vorzubereiten, in dem plötzlich vieles anders funktioniert als vorher.
Ich kann euch nicht versprechen, dass ihr euch deshalb unterwegs niemals streiten werdet. Um Gottes willen. Wir sind sechs Menschen. Natürlich streiten wir uns. 😂 Aber ihr könnt euch schon vorher miteinander beschäftigen, statt erst irgendwo 2.000 Kilometer von eurem alten Zuhause entfernt festzustellen, dass jeder von euch unter „unserem freien Leben“ etwas völlig anderes verstanden hat.
Minikurs ansehenIhr steht noch ganz am Anfang?
Vielleicht ist die konkrete Reise gerade noch gar nicht euer nächster Schritt. Vielleicht beschäftigt ihr euch erstmal mit der größeren Frage, wie ihr als Familie überhaupt freier leben, reisen oder auswandern könnt. Dafür haben wir einen kostenlosen Einstieg für euch erstellt: „Dein Weg in die radikale Freiheit – Abmeldung, Finanzen & rechtssichere Strukturen“.
In unserem kostenlosen E-Book bekommt ihr einen ersten Überblick über einige der großen Themen und Fragen, mit denen ihr euch auf dem Weg in ein selbstbestimmteres Familienleben beschäftigen könnt.
Kostenloses E-Book holenUnseren Tribe suchen wir trotzdem noch 🩵
Ich liebe es, andere Reisefamilien zu treffen. Ich liebe es, wenn unsere Kinder mit anderen Kindern losziehen, wenn Menschen zusammensitzen, gemeinsam essen, reden, lachen und für eine Zeit ein Stück Leben miteinander teilen. Ich glaube heute nur nicht mehr, dass Gemeinschaft automatisch entsteht, sobald genügend „Gleichgesinnte“ am selben Ort stehen.
Sie entsteht dort, wo Menschen anfangen, sich wirklich zu begegnen. Wo wir lernen zu kommunizieren, unsere eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen, Grenzen zu respektieren, Konflikte auszuhalten und auch mal bei uns selbst hinzuschauen. Und vielleicht ist genau deshalb unsere eigene Familie der beste Ort, um damit anzufangen.
Denn unseren Tribe können wir überall auf der Welt suchen. Die Menschen, mit denen wir losfahren, sitzen meistens schon neben uns. 🩵
Ihr möchtet Gemeinschaft nicht nur lesen, sondern erleben?
Unsere Finca Armonia ist heute kein Ort mehr, an dem Menschen sofort entscheiden müssen, für immer Teil einer festen Gemeinschaft zu werden. Genau aus unseren Erfahrungen heraus leben wir Gemeinschaft inzwischen bewusster, flexibler und temporärer.
Besonders im Herbst verbringen wir wieder mehr Zeit auf der Finca und öffnen den Raum auch für Familien und Menschen, die uns besuchen, Zeit miteinander verbringen und dieses Leben ein Stück weit kennenlernen möchten. Ihr könnt euch begegnen, gemeinsam Alltag erleben, die Umgebung entdecken und ganz in Ruhe schauen, ob und wie es menschlich miteinander passt.
Wenn ihr Lust habt, unsere Finca kennenzulernen und für eine Zeit flexible Gemeinschaft mit uns zu leben, findet ihr weitere Informationen direkt auf der Seite von Finca Armonia.
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