Genau diese Aussage ist mir heute morgen unter einem Beitrag in einer Auswanderergruppe begegnet. Eine Familie hatte dort erzählt, dass sie in ungefähr einem Jahr losziehen möchte. Irgendwann kam in den Kommentaren die Frage auf, wie sie das denn mit der Schule machen wollen und dass Homeschooling ja nur in Österreich oder für Österreicher erlaubt wäre.
Ich antwortete, dass Homeschooling nicht nur in Österreich möglich ist und nannte einige europäische Länder, in denen häuslicher Unterricht grundsätzlich möglich ist. Direkt darunter schrieb ich ausdrücklich dazu, dass es je nach Land unterschiedliche Anforderungen und Prüfungen für Homeschooler gibt.
Und dann wurde die Diskussion plötzlich ziemlich unterhaltsam. 😄
Mir wurde erklärt, ich solle mich erst informieren, bevor ich spreche. Ich würde Falschinformationen verbreiten und Österreich sei tatsächlich das einzige Land in Europa, in dem Homeschooling erlaubt sei.
Irgendwann ging es dann gar nicht mehr nur um Homeschooling. Meine Webseiten wurden durchforstet, mein Impressum wurde zum Thema und mir wurde erklärt, dass ich offenbar sowieso keine Ahnung hätte.
Ich kann über solche Diskussionen schon immer ziemlich gut lachen. Gleichzeitig zeigt diese Unterhaltung ein Problem, das für Familien, die über Freilernen, Homeschooling oder Auswandern mit Kindern nachdenken, ziemlich relevant ist.
Im Internet kursieren zu diesen Themen unglaublich viele pauschale Aussagen. Und manche davon widersprechen sich komplett.
Ist Homeschooling in Europa nur in Österreich erlaubt?
Nein. Die Aussage, Homeschooling sei innerhalb Europas ausschließlich in Österreich möglich, ist so nicht richtig.
Allerdings wäre auch die Aussage „Homeschooling ist in Europa erlaubt“ viel zu pauschal.
Denn es gibt keine einheitliche europäische Homeschooling-Regelung. Die gesetzlichen Rahmenbedingungen unterscheiden sich von Land zu Land erheblich. Häuslicher Unterricht ist in verschiedenen europäischen Ländern grundsätzlich möglich, kann dort aber an unterschiedliche Voraussetzungen geknüpft sein.
Je nach Land können beispielsweise Genehmigungen, Kontrollen, Prüfungen oder andere Vorgaben eine Rolle spielen. Teilweise können sich die Regelungen sogar regional innerhalb eines Landes unterscheiden.
Und genau deshalb ist die Frage „Wo ist Homeschooling in Europa erlaubt?“ zwar ein guter Ausgangspunkt für die Recherche, für die Entscheidung einer Familie reicht sie aber nicht aus.
Schulpflicht, Bildungspflicht, Homeschooling und Freilernen sind nicht dasselbe
Das ist einer der Punkte, die in solchen Diskussionen immer wieder durcheinandergeworfen werden.
Schulpflicht bedeutet vereinfacht gesagt nicht dasselbe wie eine Verpflichtung zur Bildung. Und auch Homeschooling und Freilernen beschreiben nicht automatisch dasselbe Bildungsmodell.
Beim Homeschooling findet Bildung typischerweise außerhalb einer regulären Schule statt. Das heißt aber nicht automatisch, dass Familien völlig frei entscheiden können, wie diese Bildung aussieht. Je nach Land können trotzdem gesetzliche Vorgaben, Lehrpläne, Prüfungen oder Kontrollen dazugehören.
Freilernen wird dagegen häufig für wesentlich selbstbestimmtere Formen des Lernens verwendet, bei denen sich Bildung stärker an den Interessen und dem Alltag des Kindes orientiert.
Für Familien, die frei reisen oder auswandern möchten, ist deshalb entscheidend, diese Begriffe nicht einfach miteinander gleichzusetzen.
Warum eine Liste mit Homeschooling-Ländern nicht ausreicht
Natürlich kann ich euch eine Liste mit Ländern geben, in denen häuslicher Unterricht grundsätzlich vorgesehen oder unter bestimmten Voraussetzungen möglich ist. Ich habe sogar eine. 😄 Aber genau diese Liste alleine bringt euch halt noch nicht besonders weit.
Das eigentliche Problem beginnt nämlich danach.
Denn nur weil eine bestimmte Form von Homeschooling in einem Land möglich ist, bedeutet das noch lange nicht, dass eine Familie dort einfach hinziehen und anschließend vollkommen frei entscheiden kann, wie ihre Kinder lernen.
Und genauso wenig lässt sich aus einer Facebook-Liste ableiten, welche Regelungen für eure konkrete Familie gelten.
Wo lebt ihr tatsächlich? Wandert ihr dauerhaft aus oder reist ihr? Welche gesetzlichen Voraussetzungen gelten dort? Gibt es Genehmigungs- oder Prüfungspflichten? Welche weiteren rechtlichen Anknüpfungspunkte bestehen?
Das sind vollkommen andere Fragen als: „Ist Homeschooling dort erlaubt: Ja oder nein?“
Und genau an diesem Punkt wird das Thema für viele Familien kompliziert.
„Dann melden wir uns einfach aus Deutschland ab“
Auch diesen Satz lesen wir immer wieder.
Eine Abmeldung kann Teil einer völlig neuen Lebensstruktur sein. Sie ist aber kein magischer Schalter, nach dessen Betätigung plötzlich sämtliche rechtlichen Verpflichtungen einer Familie verschwinden.
Deshalb halte ich wenig davon, Familien pauschal zu sagen: „Meldet euch einfach ab, dann seid ihr frei.“
Genauso wenig würde ich einer Familie sagen: „Zieht einfach nach Land XY, dort könnt ihr problemlos freilernen.“
So funktioniert ein selbstbestimmtes Leben für mich nicht.
Was wir als reisende Freilernerfamilie gelernt haben
Wir beschäftigen uns seit Jahren mit diesen Themen und leben selbst mit unseren vier Kindern als reisende Freilernerfamilie.
Auf unserem eigenen Weg haben wir ziemlich schnell gemerkt, wie viel Recherche hinter einem Lebensmodell steckt, das von dem klassischen Weg abweicht.
Denn irgendwann geht es nicht mehr nur darum, ob man sich traut.
Es geht um Bildung. Reisen. Abmeldung. Versicherungen. Einkommen. Strukturen. Bürokratie. Aufenthalte in unterschiedlichen Ländern. Und um die Frage, wie man all diese Bereiche so zusammensetzt, dass daraus ein Leben entsteht, das zur eigenen Familie passt.
Wir haben auf diesem Weg viel gelernt, recherchiert, ausprobiert und unsere Strukturen immer wieder weiterentwickelt.
Und genau deshalb würde ich auch heute niemandem sagen: „Macht es einfach genauso wie wir.“
Warum wir den Kurs „Frei als Familie“ erstellt haben
Als wir angefangen haben, uns mit all diesen Themen auseinanderzusetzen, hätte ich mir einen Ort gewünscht, an dem die verschiedenen Bereiche einmal zusammengeführt werden.
Denn genau das hat uns damals gefehlt.
Du findest eine Information über Abmeldung hier. Etwas über Freilernen dort. Dann einen Beitrag über Reisen. Eine Diskussion über finanzielle Strukturen. Drei unterschiedliche Meinungen in Facebook-Gruppen. Zwanzig offene Tabs im Browser.
Und irgendwann weißt du gar nicht mehr, welche Frage du eigentlich zuerst beantworten solltest. 😄
Genau aus dieser Erfahrung heraus ist unser Kurs „Frei als Familie“ entstanden.
Wir haben dort das Wissen und die Erfahrungen zusammengetragen, die wir uns auf unserem eigenen Weg über Jahre erarbeitet haben, und führen euch strukturiert durch die verschiedenen Bereiche, die für ein freieres Familienleben relevant werden können.
Dazu gehören unter anderem Freilernen und Schulpflicht, Reisen und Auswandern, Abmeldung, organisatorische Strukturen und finanzielle Grundlagen.
Dabei geht es uns nicht darum, euch vorzuschreiben, welches Land ihr wählen oder wie ihr eure Kinder begleiten sollt.
Wir möchten euch helfen, die Zusammenhänge zu verstehen, die richtigen Fragen für eure Familie zu stellen und zu erkennen, welche Punkte ihr für eure individuelle Situation weiter recherchieren oder fachlich prüfen lassen solltet.
Im Grunde haben wir den Fahrplan gebaut, den wir selbst gerne gehabt hätten, als wir angefangen haben.
Frei als Familie
Wenn ihr euch nicht jeden Bereich einzeln zusammensuchen möchtet, könnt ihr in unserem Videokurs tiefer in die Themen einsteigen, die auf dem Weg in ein freieres Familienleben relevant werden können.
Kurs „Frei als Familie“ ansehenDu möchtest erstmal kostenlos starten?
Dann musst du natürlich nicht direkt unseren kompletten Kurs buchen.
Wir haben für Familien, die gerade beginnen, sich mit diesen Themen auseinanderzusetzen, einen kostenlosen Einstieg erstellt:
Dein Weg in die radikale Freiheit – Abmeldung, Finanzen & rechtssichere Strukturen
In unserem kostenlosen E-Book bekommst du erste Informationen und einen Überblick über wichtige Fragen, mit denen ihr euch beschäftigen könnt, wenn ihr als Familie freier leben, reisen oder auswandern möchtet.
Kostenloses E-Book herunterladenWenn ihr danach merkt, dass ihr tiefer einsteigen und euch strukturiert mit den verschiedenen Bereichen beschäftigen möchtet, findet ihr in unserem Kurs „Frei als Familie“ unseren ausführlichen Fahrplan.
Homeschooling in Europa: Informieren statt blind glauben
Die Diskussion unter diesem Facebook-Beitrag hat mich deshalb am Ende weniger geärgert als daran erinnert, warum wir überhaupt über diese Themen sprechen.
Wenn ihr euer Familienleben grundlegend verändern möchtet, dann informiert euch.
Hinterfragt auch Aussagen, die gut zu dem passen, was ihr gerne hören würdet.
Hinterfragt übrigens auch uns.
Schaut euch unterschiedliche Informationen an, versteht die Zusammenhänge und lasst individuelle rechtliche, steuerliche oder andere fachliche Fragen dort prüfen, wo es für eure Situation notwendig ist.
Und trefft anschließend eure eigenen Entscheidungen. Denn genau das bedeutet Selbstbestimmung für mich.
Und bei einer Sache bin ich mir nach dieser Facebook-Diskussion wieder ziemlich sicher:
Facebook-Kommentare können verdammt unterhaltsam sein. 😄 Als Grundlage für die Entscheidungen deiner Familie würde ich sie trotzdem nicht nehmen. 🩵
Hinweis: Dieser Beitrag gibt unsere persönlichen Erfahrungen, Recherchen und unseren Wissensstand wieder und ersetzt keine individuelle Rechts-, Steuer- oder sonstige Fachberatung. Gesetzliche Regelungen können sich ändern und je nach Land, Region und persönlicher Situation unterschiedlich sein.
